DECHEMA e.V.

Tauwetter in der Arktis - Mögliche Folgen für das Klima in Europa?

16. Frankfurter Sonderkolloquium – Technik und Gesellschaft im Dialog

Neu im Programm

620. Kolloquium, am 22. Februar 2007, um 14.00 Uhr, im DECHEMA-Haus


  • Meeressedimente und Klimageschichte: Woher kommt das Eis am Nordpol?
    Prof. Dr. Gerald Haug, Geoforschungszentrum Potsdam
  • Veränderungen der Eisbedeckung in der Arktis
    Prof. Dr. Peter Lemke, Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven
  • Die Bedeutung der Ozeanzirkulation für das Klima Europas.
    Was wissen wir über die Antriebsfaktoren des Golfstroms?
    Prof. Dr. Jochem Marotzke, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg
  • Methanhydrat – Vorkommen, Dynamik und Klimarelevanz
    Prof. Dr. Gregor Rehder, Leibniz-Institut für Ostseeforschung, Warnemünde

Moderation: Prof. Dr. Reinhard Zellner, Univ. Duisburg-Essen

 

Auf alten Zeichnungen und Fotografien kann man Gletscher bestaunen, die man heute so nicht mehr finden kann. Die eindrucksvollen Eislandschaften sind in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zurückgegangen - oder ganz weggeschmolzen. Gleichzeitig nehmen Temperaturen und extreme Wetterlagen in vielen Teilen der Erde zu. In Europa erinnert man sich an den Jahrhundertsommer in 2003. Dieser brachte nach wissenschaftlichen Schätzungen tausenden Menschen den Hitzetod. In den USA versank die Stadt New Orleans 2005 im Meer, wie im Jahr 1362 die Stadt Rungholt in der Nordsee.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Klimaschwankungen, Klimastabilität und Extremereignissen sind noch relativ jung. Sie haben jedoch in kürzester Zeit einen starken Wissenszuwachs aufweisen können. Von den modernen technischen Möglichkeiten der Probenahme in allen Tiefen und Höhen des Erdmantels, über Satellitenaufklärung bis hin zu komplexen Computersimulationen gibt es mittlerweile umfassende Aussagen über die Entstehung, Schwankungen und Indikatoren von Klimazuständen. Fest steht, das Abtauen von Eis und Gletschern findet verstärkt in nördlichen Polarregionen statt. Diese kalten Regionen können wiederum das Klima in gemäßigten Zonen beeinflussen.

In der Vortragsreihe „Technik und Gesellschaft im Dialog“ stellen deutsche Klimaexperten von internationalen Rang Zusammenhänge und Forschungsergebnisse in allgemeinverständlicher Form vor. Die Moderation des Kolloquiums übernimmt Prof. Dr. Reinhard Zellner Universität Duisburg-Essen, ehemaliger Vorsitzender des Sachverständigenkreises „Globale Umweltveränderungen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Prof. Dr. Gerald Haug vom Geoforschungszentrum hinterfragt in seinen Arbeiten die Normalität von Klima. Ist die jüngste Kartoffelernte vor Grönländischer Eisbergkulisse etwas ganz Normales? Was wissen wir überhaupt über die Häufigkeit von Klimaänderungen in der Arktis? Was verraten uns die Ablagerungen am Meeresboden in der nördlichen Polarregion über die Geschwindigkeit von Klimaumschwüngen?

Prof. Dr. Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven beschäftigt sich mit den Veränderungen der Eismassen in den Polargebieten. Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Ist das natürliche Temperatur-Eis-Gleichgewicht gestört? Kann sich das Erdklima aufheizen, wenn das schrumpfende Weiß der Pole weniger Sonnenlicht in das Weltall zurückwirft? Oder, ganz pragmatisch gefragt, wann lohnt sich das Sommerhaus mit Gletscherblick im grünen Grönland?

Prof. Dr. Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, untersucht in ozeanographischen Studien unter anderem die Verbindungen zwischen verschiedenen Klimazonen. Ihn interessieren Fragen, wie das Klima in Europa durch das in der Arktis beeinflußt wird, und wie stabil die Mechanismen dieser Klimaverbindung sind. Ferner erforscht er, ob die derzeitigen Trends zu wärmeren globalen Temperaturen überall nur eine gleichschreitende Richtung ins Plus kennen, oder ob es auch Umkehrpunkte gibt, die am Ende sogar zu einer Eiszeit führen können.

Prof. Dr. Gregor Rehder vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde hat bei Meeresexpeditionen bedeutende Lagerstätten von festem „Erdgas“ (Methanhydraten) erforscht. Diese feste Verbindung hat das Potential, sich bei Erwärmung spontan in Methangas zu verwandeln. Daß diese Eigenschaft Folgen hat, nehmen viele Wissenschaftler mit Blick auf das globale Klima an. Wie dieses funktionieren könnte, ist ein Thema dieses Vortrags.

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